Archiv der Kategorie: Aktuelles

Aus aktuellem Anlass:

Es geschehen noch Zeichen und Wunder!

Die Strafanzeige von Unbekannt gegen Michael Genner,
eingeleitet durch die Staatsanwaltschaft Wien wegen „Gutheißen einer mit Strafe bedrohten Handlung“ wegen seiner Aussage

„Vor jedem ehrlichen Schlepper, der saubere Arbeit macht, der seine Kunden sicher aus dem Land des Elends und Hungers, des Terrors und der Verfolgung herausführt, der sie sicher hereinbringt, den Grenzkontrollen zum Trotz, in unser ‚freies‘ Europa, habe ich  Achtung. Er ist ein Dienstleister, der eine sozial nützliche Tätigkeit verrichtet und dafür auch Anspruch hat auf ein angemessenes Honorar.“

ist nun zwei Tage vor der Verhandlung von der Oberstaatsanwaltschaft
Wien zurück gezogen worden!

Viele Menschen und Organisationen -so auch Vindex – Schutz und Asyl- haben sich vereint und solidarisch hinter Michael Genner gestellt, Susanne Scholl bat darum, selbst angezeigt zu werden, es wurden öffentliche Pressemeldungen gemacht, Amnesty hat sich bedenklich gegen den Verstoß der Meinungsfreiheit  geäußert….

Zu dem anberaumten Verhandlungstermin haben sich mehr als 140 Menschen angekündigt, Michael Genner hatte einen Antrag auf Umverlegung in den Großen Schwurgerichtssaal gestellt, damit dem großen Andrang der interessierten Menschen und auch der Presse -selbst aus angrenzenden Nachbarländern- genügend Platz zur Verfügung steht.

Eine Petition mit 230 Unterschriften wurde an das Landesgericht Wien gerichtet.

Eine Demonstration am Tag der Gerichtsverhandlung vieler UnterstützerInnen und Gegner gegen Verstöße des Rechts auf Meinungsfreiheit und zur Gutheißung der Unterstützung von Menschen, die Flüchtlingen helfen, ihr Leben in Sicherheit zu bringen war beabsichtigt.

Nun hat die Oberstaatsanwaltschaft Wien zurück gerudert und der Staatsanwaltschaft Wien Weisung erteilt, die Anklage fallen zu lassen.

„Ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang, zumal Strafanträge im Unterschied zu Anklageschriften mit dem Einbringen bei Gericht an sich rechtskräftig werden“ (Standard)

Wir gratulieren Michael Genner, der sich seit Jahrzehnten in unermüdlichem Einsatz im Kampf um Gerechtigkeit und Menschenrechte einsetzt, dass diese Anklage, die mit mit einer bis zu zweijährigen Haftstrafe bedroht gewesen wäre, nun eingestellt wurde!

Ebenfalls gratulieren wir der Entscheidung der Oberstaatsanwaltschaft Wien zu dieser rechtsstaatlichen Entscheidung!

http://derstandard.at/1389859284683/Strafantrag-gegen-Asyl-in-Not-Obmann-Genner-zurueckgezogen

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VINDEX bedankt sich

An alle Vereinsmitglieder, UnterstützerInnen und FörderInnen, Freunde und Freundinnen von Vindex!

Hiermit möchten wir uns im Namen des Vereins „Vindex – Schutz und Asyl“ bei allen Menschen bedanken, die in diesem ersten dreiviertel Jahr mitgeholfen haben, den Verein nicht nur zu verwirklichen, sondern auch auf stabilere Füße zu stellen, und die uns mit finanzieller Hilfe, mit Tat und Wohlwollen unterstützt haben in dem Bemühen, Flüchtlingen zur Seite zu stehen und unsere Hand zu reichen.

Der Verein „Vindex – Schutz und Asyl“ ist seit April dieses Jahres als gemeinnützig eingetragen, unsere Vereinsmitglieder setzen sich zusammen aus aktiven VorarlbergerInnen, Konventionsflüchtlingen und asylsuchenden Menschen. Die Tätigkeit ist breit gefächert:

Wir begleiten und beraten Menschen in ihren Asylverfahren, zu den sog. Interviews (die eher sehr massiven Verhören gleichen), wir hören den Menschen zu, wir schenken ihnen Zeit und Geduld.

Wir versuchen anerkannten Konventionsflüchtlingen in Sachen Deutschkenntnisse und Arbeitsuche behilflich zu sein. Wir versuchen integrative Gruppen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen zu initiieren, damit diese gemeinsame Tätigkeiten verrichten. So konnten wir Nähtreffen und Gesprächsnachmittage abhalten, wo neben dem Nähen oder beim Teetrinken Deutsch gesprochen und geübt wurde.

Neben der Gründungs-Veranstaltung „Asyl ist Menschenrecht“ im April, bei der uns das Theater Kosmos die Räume zur Verfügung stellte, ermöglichte uns auch der Spielboden Dornbirn in einer Filmreihe zu Flüchtlingsthemen, uns zu präsentieren.

Wir haben in Schwarzach einen „Vindex Freundschaftsclub“ gegründet, in dem einheimische Kinder zusammen mit Kindern und Jugendlichen von Asylwerbern und Flüchtlingen malen, basteln, an einem Basar teilnahmen, rodeln, Eislaufen gehen, baden und Minigolf spielen usw., um Vorurteile abzubauen,  Kontakt und Beziehungen zu ermöglichen und kreative und Bewegungsangebote zu schaffen, während wir ihre Eltern darin unterstützen, selbst wieder Boden unter den Füßen zu bekommen.

Wir haben den Umbrella-March am Internationalen Weltflüchtlingstag in Bregenz organisiert, konnten uns österreichweit mit anderen NGO`s vernetzen und eine Zusammenarbeit aufbauen. Mitglieder der Vereins haben an Fortbildungen teilgenommen, konnten die „Profis“ unter uns (also die Flüchtlinge selbst) mit asylrechtlichem Know how befähigen, um ihr erweitertes Wissen an Asylsuchende in Muttersprache weiter vermitteln zu können. Wir haben beigetragen, anerkannten Flüchtlingen zu Aus- und Weiterbildungen entsprechend ihren persönlichen Neigungen zu verhelfen. Wir haben gebrauchte Möbel aus verschiedenen Orten in Vorarlberg eingesammelt und in Flüchtlingswohnungen gebracht, um diese gemütlicher und wohnlicher zu machen. Wir wurden für ein Catering am Wahlabend der Nationalratswahl geordert und haben dadurch weitere Anfragen erhalten.

Wir haben durch unseren Einsatz – durch Unterstützungsmails, persönliche Vorsprachen auf den Bezirkshauptmannschaften, in Gesprächen mit LR Schwärzler, durch Presse- und weitere Öffentlichkeitsarbeit über unsere Homepage und facebook – zumindest mitgewirkt, dass für zwei Familien aus dem Libanon bzw. Tschetschenien ein humanitäres Bleiberecht bzw. die Vergabe der Rot-Weiß-Rot-Karte plus erzielt werden konnte und für zwei junge Pakistanis, die noch minderjährig ins Land kamen, eine Aufenthaltsberechtigung erteilt wurde.

Einen durch eine Minenexplosion erblindeten Mann konnte unsere Geschäftsführerin Eva Fahlbusch durch ihr Vorsprechen bei der BH Bludenz vor der Abschiebung retten und ihn nun im Kreise seiner Angehörigen hier seine Sicherheit und auch Würde ermöglichen.

Für den dritten jungen Pakistani Usman, der ebenfalls minderjährig ins Land kam, steht die Entscheidung leider immer noch aus, trotz bereits längst positiv geäußerter Zusagen seitens des Landesrats. Wir hoffen und wünschen aus ganzem Herzen, dass auch dieser junge Mann, der alles getan hat, was ihm möglich war, um mitzuwirken und zu beweisen, dass seine Angaben echt sind, nun endlich bald an eine Zukunft in Sicherheit und Frieden denken darf.

Seit der Vereinsgründung im April hat unsere Geschäftsführerin Eva Fahlbusch über 450 Stunden für Beratungen von Asylwerbern und Flüchtlingen aus 11 Nationen aufgewendet; von Flüchtlingen, die im Verein Vindex mitarbeiten, wurden über 55 Stunden Dolmetsch-Tätigkeit ausgeübt.

Wir arbeiten viel, aber wir erleben im Ausgleich dazu sehr viel Schönes – sowohl im Kontakt mit den Flüchtlingen, als auch in der Bereitschaft immer mehr werdender VorarlbergerInnen, sich zu engagieren.

Bedanken möchten wir uns auch für die vielen, sehr herzlichen Dankesworte, die in der letzten Zeit bei uns eingegangen sind. Diese waren sehr berührend! Sie haben in ihrer Wärme und Anteilnahme vor allem aber auch gezeigt, wie vielen Menschen es ein tiefes Bedürfnis ist, entgegen aller politischer Entwicklungen Europas, „dicht zu machen und sich abzuschotten“, sich einzusetzen und sich zu engagieren. Dies alles bestärkt uns in der Richtigkeit unseres Tuns und den begonnen Weg weiter zu beschreiten!

Für die vielfältigen Formen der Unterstützung sagen wir vielen herzlichen Dank und wünschen Allen ein gesundes und zufriedenes Jahr 2014.

Peter Mennel, Obmann
Eva Fahlbusch, Geschäftsführerin

 

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Verhaftungs- und Abschiebewelle in Vorarlberg und ganz Österreich

Kurz vor Weihnachten rollt eine Verhaftungs- und Abschiebewelle über ganz Österreich hinweg!

Während wir damit beschäftigt sind, unsere Weihnachtsgeschenke für unsere Liebsten auszuwählen, Plätzchen zu backen, Weihnachtsurlaube zu planen und das Fest der Familie vorzubereiten, schwärmt Nacht für Nacht gerade die Polizei aus, stellt Aufforderungen zur Ausreise innerhalb 14 Tagen zu, nimmt zu nächtlicher Stunde Fingerabdrücke, verhaftet asylsuchende Flüchtlinge aus Pakistan und führt sie in Handschellen ab, um sie in die Polizeianhaltezentren zu überstellen, von denen sie einzeln oder zusammengesammelt abgeschoben werden.

Kamran Yousaf ist am Sonntag in aller Früh auf diese Weise in Nüziders verhaftet worden (einer von Vielen seitdem quer durch Österreich), am Dienstag via Zürich nach Lahore in Pakistan ausgeflogen worden. Er konnte sich nach Ankunft in Lahore von einer Gefängniszelle noch melden, er bat um Unterstützung aus der Ferne. Seit Mittwoch ist jede Spur zu ihm verloren gegangen!

Innerhalb der letzten zwei Wochen sind pakistanische Flüchtlinge aus Wien, Salzburg, Graz, Linz und Vorarlberg verhaftet und abgeschoben worden.

Weitere Abschiebungen geplant und stehen unmittelbar bevor!

An tschetschenische Flüchtlinge ergehen Ausreiseaufforderungen, die ihnen persönlich durch die Polizei überbracht werden. Sie haben nun zwei Wochen Zeit, Österreich „freiwillig“ zu verlassen.

Darunter ein durch eine Explosion einer Granate im Gesicht schwer verletzter Mann, der auf beiden Augen dadurch erblindet ist, der Unterkiefer mühsam zusammengeflickt, im Körper Granatsplitter. Völlig hilflos. Seine ganze Familie, seine Brüder und Schwestern leben hier, sind anerkannt. Nur ihm will man nicht glauben, er soll gehen. Nur wohin? Und wie? Wo soll er „ausgesetzt“ werden? An wen soll er sich wenden? Er wird, wenn er abgeschoben wird, in Moskau verhaftet werden, es wird niemanden geben, der ihm dort helfen kann!

Advent ist die sogenannte besinnliche Zeit, Weihnachten ist das Fest der Liebe.

In dieser Zeit wird gespendet und Nächstenliebe geübt in Form von Überweisungen an caritative Einrichtungen, für Menschen in aller Welt.

Direkt in unserer Nachbarschaft hingegen werden Menschen verhaftet und abtransportiert – wie früher!

Sehen wir nicht wortlos zu! Spenden wir ihnen unsere Aufmerksamkeit, unsere Hand, unser Wort, unsere Unterstützung, unsere Unterschrift!

Schreiben Sie an die Regierung, an Frau Mikl-Leitner, an den Bundespräsidenten, an den Bundeskanzler, an den Landeshauptmann, an den Landesrat, an regionale politische Spitzenkandidaten der Parteien, an die Kirchenvertreter!

Spenden Sie Leserbriefe und veröffentlichen Sie diese, spenden Sie Emails an Ihre Verwandten und Freunde mit der Bitte, sich anzuschliessen, um gegen diese unmenschliche Flüchtlingspolitik zu protestieren.

Spenden Sie Ihr Mitgefühl für Menschen, die Österreich um Asyl bitten, für Menschen, die nun gerade eben direkt in ihrer Nachbarschaft verhaftet und abtransportiert werden.

Schreiben Sie an info@vindex.or.at:

So können wir eine Unterschriftensammlung erstellen, die der Landesregierung übergeben werden kann!

Darüberhinaus können Sie sich der österreichweiten Kampagne „Gegen Unmenschlichkeit“ anschliessen: http://gegen-unmenschlichkeit.at/mithelfen/

 

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10. Dezember: Internationaler Tag der Menschenrechte

Heute eine verzweifelte Anfrage einer engagierten und verzweifelten Vorarlbergerin mit der Bitte um Unterstützung:

„Der unten Genannte wurde am Sonntag, 8. 12. 2013, um ca. 8 Uhr morgens von der Polizei in Handschellen aus dem Flüchtlingshaus in der Waldburgstraße in Nüziders abgeholt und ins PAZ Bludenz gebracht. – Ehrenamtliche Betreuungspersonen der Caritas haben die Auskunft bekommen, er soll…e in Kürze über Zürich in seine Heimat Pakistan abgeschoben werden. Es handelt sich um Kamran Y., geb. in Gujranwala, Pakistan; röm. kath. getauft  (Kopie aus der Heimatpfarre liegt vor). Kamran hält sich seit ca. 1 Jahr in Österreich auf; er ist geflüchtet weil er in seiner Heimat als Christ verfolgt wurde und seines Lebens nicht mehr sicher sein konnte, die Polizei aber auf der Seite der angreifenden Muslime stand. Unter der Aktenzahl  xxx ist sein „Asylverfahren“ gelaufen, bei dem er angeblich „nicht davon überzeugen konnte, dem christlich-katholischen Glauben angehangen und diesen praktiziert zu haben“. – Es war eine katastrophale Befragung, deren Analyse und Bewertung wir an den Verfassungsgerichtshof geschickt haben, zusammen mit 87 Unterschriften von Christen aus der kleinen Pfarre Herz-Märia mit der Beantragung von Verfahrenshilfe für Kamran. Ergebnis: keine Verfahrenshilfe bewilligt, jetzt Schubhaft.“

Gerade erst kürzlich hat Österreich 500 (Fünfhundert!!!) christlichen Syrern die Zusage auf Asyl gegeben, über weitere 500 wird verhandelt! Das ist Österreichs Angebot an Syrien, während dort tagtäglich Kinder, Frauen und Männer dem grausamen Krieg zum Opfer fallen. Welche Logik in diesem Angebot Österreichs liegt, entzieht sich normalem Verstand. Es stellt sich allerdings die Frage, warum christliche Syrer kommen dürfen und warum christliche Pakistanis verhaftet und abgeschoben werden? Welche Logik muss jetzt hier zum tragen kommen? Was sagen gläubige Christen hierzu? Was sagen die Kirchenvertreter? Es stellt sich ebenfalls die Frage, was für Kooperationsvereinbarungen mit der Schweiz getroffen wurden oder ob das unter „Nachbarschaftshilfe und Gentlemen agreement“ läuft? Wer veranlasst dies? Müssen wir jetzt einfach hinnehmen, dass wir wissen, dass morgen oder übermorgen wieder ein Mensch schulterzuckend auf Gedeih und Verderb in sein Heimatland überstellt wird?

Oder können und müssen wir doch laut protestieren?

10. Dezember: Internationaler Tag der Menschenrechte!
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Filmreihe: „Flucht und Hoffnung“

In Kooperation mit dem Spielboden Dornbirn startet am 15. November 2013 eine dreiteilige Filmreihe rund um das Thema Flucht und Hoffnung.

Anhand einfühlsam dargestellter Lebensgeschichten von Menschen aus unterschiedlichen Ländern kann nachvollzogen werden, was sie dazu bewegt, ihre Heimat zu verlassen, welche Hoffnungen und Gefühle sie dabei begleiten, was ihnen in ihren neuen Heimaten begegnet und mit welchen Schwierigkeiten auch Einheimische zu kämpfen haben…

Vindex – Schutz und Asyl freut sich über Ihr Kommen und steht offenen Fragen gerne zur Verfügung

Veranstaltungsort: Spielboden Dornbirn

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AsylwerberInnen in Österreich – eine Studie vom Jahoda-Bauer Institut

„Die Situation von AsylwerberInnen ist immer wieder Thema in der Öffentlichkeit. Dabei werden unterschiedlichste Fragen diskutiert: Der Bogen reicht von den gesetzlichen Bestimmungen wer in Österreich Asyl erhält über die Frage der Unterbringung und Versorgung von Asylsuchenden bis zu den Verfahrensdauern. Selten wird aber darüber gesprochen, wie die Lebensrealität der Asylsuchenden aussieht.“

Die komplette Studie können Sie hier nachlesen.

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Aufruf zur Unterschrift der Petition „Stop der Abschiebung der Refugeeaktivisten!“

„Die ersten 8 Refugees des Protest Camps wurden am 29.+30. Juli abgeschoben. Wir fordern, dass Österreich seiner Verantwortung für den Schutz der bereits nach Pakistan Abgeschobenen nachkommt und auch den nach Ungarn abgeschobenen Pakistani wieder zurückholt. Denn offenbar wurden ganz bewusst Verfahrensmängel begangen, die entgegen der Behauptungen des Innenministeriums nicht unabhängig geprüft wurden. Es dürfen keine weitereren Abschiebungen von Geflüchteten nach Pakistan passieren, da sie deren Leben gefährden!“

Wir bitten um Unterstützung durch Ihre Unterschrift unter https://www.change.org/en-GB/petitions/stop-the-deportation-of-the-refugee-activists-stop-der-abschiebung-der-refugeeaktivisten?utm_campaign=friend_inviter_chat&utm_medium=facebook&utm_source=share_petition&utm_term=permissions_dialog_false

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Brief an den Bundespräsidenten Fischer

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Fischer, sehr geehrter Herr Froehlichsthal!

Heute haben Sie auf meinen dringenden Appell, die pakistansischen Flüchtlinge nicht in ihr Heimatland abzuschieben, da sie aus diesem geflüchtet sind, weil sie auf Leib und leben bedroht waren, eine maschinell vorgefertigte Pauschalantwort gegeben, die sich in lapidaren Worten darauf bezieht, dass die Frau Innenministerin schon richtig gehandelt haben wird.

NEIN, das hat sie nicht!
Es haben, wie auch Ihnen sicher mittlerweile ausreichend bekannt sein dürfte, weder ordentliche Verfahren in ausreichender Güte stattgefunden, noch lässt sich die schon fast „hatzartige“ Verhaftung sowohl in den letzten Tagen und auch heute in irgendeiner Weise rechtmäßig begründen, da die Flüchtlinge im Servitenkloster anwesend waren, sämtliche Auflagen bezüglich Meldepflichten etc erfüllt haben.
Hingegen, auch dies inzwischen jedem interessiertem Bürger/Bürgerin bekannt, wurden ohne jeglich Vorwarnung die Meldepflichten genutzt, um Verhaftungen vornehmen zu können, das könnte man fast (laienhaft formuliert) als „arglistige Täuschung“ auslegen!
In jedem Rechtsstaat wird außerdem das Recht auf anwaltlichen Beistand gewährleistet, zumindest sieht es der Gesetzgeber so vor! Stattdessen wurden im Eifer des gestrigen Verhaftungs-Gefechts sogar die Anwälte an der Ausübung ihrer Tätigkeit gehindert bzw. vereitelt!

Weitaus schlimmer sind aber jetzt vor allem die Folgen, die diese abgeschobenen Menschen nun betreffen:
Ausführlichst sind in allen Medien die politisch/religiösen Zustände in Pakistan bekannt. Ausführlichst ist in Länderberichten nachzulesen, welche Menschenrechtsverbrechen dort stattfinden. Ausführlichst ist bekannt, dass andere europäische Länder Schutzsuchenden aus Pakistan sehr wohl Asyl gewährt. Ausführlichst ist bekannt, dass sogar Kinder, sogenannte „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, die ihre Eltern verloren haben, die nichts MEHR haben, als ihr kleines, „nacktes“ junges Leben, unter widrigsten Umständen hierher kommen, als einzigste Chance auf Leben. Ausführlichst ist bekannt, dass im speziellen Fall der Flüchtlinge aus dem Serviten-Kloster -gerade aufgrund ihres Protestes im Umgang unserer „Erststaaten“ gegenüber schutzsuchenden Menschen- erst recht, eine weitaus größere Gefahr vor Verhaftung, Folter, am Ende gar Tod besteht.

NEIN, ich gebe mich nicht mit einer maschinellen Pauschalantwort eines Bundespräsidenten zufrieden, der sich nicht damit auseinander setzen möchte, welche Dramen nun ganz persönlich diese Flüchtlinge erleben werden.
NEIN, Herr Bundespräsident Fischer: Es gibt mehrere tausend Unterschriften von ÖsterreicherInnen, Bürgerinnen und Bürgern, es gibt NGO`s, es gibt kirchliche Vertreter bis hin zu Kardinal Schönborn, es gibt Bürgermeister und Gemeinden, es gibt „Engagierte“ und „Teilnehmende“…..die laut protestieren gegen diese katastrophale Entscheidung der Innenministerin!
NEIN, Herr Bundespräsident: Sie sind eine konkrete und vor allem auch persönliche Antwort, ein konkretes Auseinandersetzen schuldig, da Sie uns Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet sind!

Da dieses ein Thema von großem öffentlichem Interesse ist, betrachte ich unseren Schriftverkehr ebenfalls als öffentlich.

Mit hoffnungsfrohen Grüßen

Eva Fahlbusch

Vindex – Schutz und Asyl
Eva Fahlbusch
(Obfrau)

 

Geschrieben als Antwort auf folgende Nachricht, die hier als pdf heruntergeladen werden kann.

Sehr geehrte Frau Fahlbusch!

Ihr Schreiben wurde unter der Zahl S711200/326-STR/2013 erfasst. In der Beilage finden Sie das Antwortschreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Österreichische Präsidentschaftskanzlei

A-1014 Wien, Hofburg, Ballhausplatz
Tel. +43-1-53422-0, Fax +43-1-53422-418
president-office@hofburg.at

Besuchen Sie unsere Homepage unter www.bundespraesident.at

 

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Eine Lebensgeschichte

Elf lange Jahre hat es gedauert, elf Jahre Flucht, Verzweiflung, Unsicherheit, Angst und Lebensbedrohung.
Movldi, nun knapp 70 Jahre alt, begab sich 2002 mit seiner Familie mitten aus dem tschetschenischen Krieg auf die Flucht.
Er war kriegsverletzt, verwundet, körperlich und seelisch.
Ein Leben in der Heimat war nicht mehr möglich.

Es begann eine Odyssee durch europäische Länder mit der Bitte um Schutz und Aufnahme.
Asylantrag in Polen = nach 1,5 Jahren Lagerleben negativ, die Familie musste das Land verlassen.
Movldi verließ die Familie, ging alleine zurück, versteckte sich in den Bergen.

Die Mutter zog mit ihren Kindern weiter nach Tschechien, stellte dort einen Antrag auf Asyl.
Nach 6 Monaten = Negativ
Die Familie beschloss sich zu trennen, jeder sein eigenes Glück zu versuchen, die jungerwachsenen Söhne waren besonders gefährdet.
Die Mutter wollte nicht ohne ihren Mann sein, von dem sie von anderen Flüchtlingen erfuhr, dass es ihm nicht gut gehe. Sie kehrte mit ihrer Tochter zurück, um ihn in den Bergen zu suchen.
Die Söhne wanderten weiter nach Österreich, wurden sofort verhaftet und in Schubhaft genommen, stellten von dort aus ihre Asylanträge.
Österreich glaubte ihnen, gewährte Schutz und Konventionspass.

2006 machten sich Movldi, seine Frau und Tochter erneut auf den Weg, baten erneut in Polen auf Asyl, die Verfolgung und Lebensgefahr in der Heimat wurde unerträglich.
Polen wollte ihnen dies nicht glauben, nach einem Monat schon erhielten sie ihr negativ, wurden des Landes verwiesen.
So zogen sie weiter, stellten Antrag auf Asyl in Österreich.
Aber hier berief man sich 2009, nach drei Jahren des Hoffen und Harrens in Flüchtlingsheimen, auf Dublin II, sie mussten zurück ins „Erstaufnahmeland“ Polen.
Der Mann wurde krank, zerbrach seelisch.
Er versteckte sich wieder im Wald, in den Bergen.
Seine Frau versuchte wieder ihr Glück in Österreich, die Söhne inzwischen verheiratet, die ersten Enkelkinder waren geboren; sie stellte also 2010 wieder Antrag auf Asyl.
Dieser ist bis heute nicht entschieden. Der erste Bescheid auf dem Bundesasylamt erging negativ. Beschwerde. Das Asylgericht erkannte Verfahrensfehler und sandte den Antrag auf Asyl wieder zurück ans Bundesasylamt.
Dort liegt er bis heute.

Movldi kam Ende des Jahres 2012 nach Bregenz, er wollte zu seiner Frau, seinen Kindern, seinen Enkelkindern.
Er stellte bei der Polizei einen Antrag auf Asyl. Als diese ihn entgeistert anschauten und nach Traiskirchen verwiesen verlor er die Nerven.
Schrie, brüllte, tobte.
Er wurde nach Rankweil verbracht, es wurden schwere Traumatisierungen und psychische Beeinträchtigungen diagnostiziert, er wurde medikamentös eingestellt.
Im Juni musste er zur Einvernahme zum Bundesasylamt nach Innsbruck.
Vindex – Schutz und Asyl organisierte Begleitung, einen Zeugen bei der Einvernahme.
Unter starken Beruhigungsmitteln versuchte Movldi dem Druck der Einvernahme standzuhalten.
Aber es kam zum Eklat, als der Herr, der die Einvernahme leitete, sich weigerte, wesentliche Fluchtgründe und Hintergründe im Protokoll festzuhalten.
Er wollte nicht, diese Geschichten seien doch schon bekannt, seien früher schon mal aufgenommen worden.
Movldi sollte ein Protokoll unterschreiben, in dem die wichtigsten Punkte nicht dokumentiert waren!
Er tat es nicht, er unterschrieb nicht. Aber er hatte einen Zeugen dabei, das war wohl sein Glück.

Gestern erhielt er durch den Staat Österreich subsidiären Schutz.

Nun kann ein alter, kranker Mann mit fast 70 Jahren endlich Ruhe finden.
Vielleicht hat seine Frau ja auch noch dieses Glück!

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Umbrella March 2013

Rund 100 BesucherInnen spannten am European Umbrella March 2013 in Bregenz ihren Schirm symbolisch für den Schutz von Flüchtlingen und Vertriebenen auf. Auf dem Weg entlang der Seeanlage und durch die Stadt trafen sich Menschen allen Alters und Herkunft um für Menschenrechte und humanitäre Entscheidungen in Asylverfahren einzustehen. Höhepunkt der Demonstration war eine Kundgebung vor der Landesregierung, bei der Geschichten von Kriegsflüchtlingen vorgetragen und konkrete Bitten und Forderungen an die Landesregierung formuliert wurden. Landesrat Erich Schwärzler nahm im Anschluss eine Liste mit mehr als 1600 Unterschriften gegen unmenschliche Abschiebungen in Länder, in denen Krieg, Gewalt und Verfolgung herrschen, entgegen. Er sicherte den betroffenen Flüchtlingen, die ihm persönlich vorgestellt wurden, zu sich einzusetzen und ihre Fälle eingehend zu prüfen. Das Leben und die Sicherheit dieser Menschen liegt nun in seinen Händen.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Teilnehmern vom gestrigen Umbrella March in Bregenz von ganzem Herzen bedanken!

Umbrella March 2013

UmbrellaMarch2

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