Traumatisierte brauchen Therapie

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VN-WEIHNACHTSGESPRÄCH. Eva Fahlbusch (55), Vindex – Schutz und Asyl
23.12.2014

“Traumatisierte brauchen Therapie”

von heidi rinke-jarosch
Eva Fahlbusch: Offensichtlich ist in diesem Land Bedarf an einer Organisation wie Vindex vorhanden.  FOTO: VN/HARTINGER
Eva Fahlbusch: „Offensichtlich ist in diesem Land Bedarf an einer Organisation wie Vindex vorhanden.“ FOTO: VN/HARTINGER

Der Verein Vindex unterstützt Asylsuchende in rechtlichen und sozialen Belangen.

schwarzach. Den Verein Vindex gründete die Familientherapeutin Eva Fahlbusch, nachdem sich die Situation der Asylwerber in Vorarlberg aufgrund der dauernd verschärften Fremdengesetze verschlechtert hatte. Dass es neben der Caritas auch andere Organisationen geben soll, die Flüchtlingen helfen, zeigen die Unterschiede in der Arbeitsweise. Vindex hilft zum Beispiel auch Menschen nach negativem Aslybescheid, während die Ressourcen und Aufträge der Caritas vor allem den Asylsuchenden von der Ankunft bis zum negativen Asylbescheid gelten. Fahlbusch hat jedoch immer betont, dass Vindex keine Konkurrenz zur Caritas ist.

Die Stärke von Vindex liegt vor allem darin, dass der Verein von Menschen getragen ist, die selbst als Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind, Traumata durchlitten und Asylverfahren durchlaufen haben.

Was bedeutet Weihnachten für Sie ganz persönlich?

fahlbusch: Besinnlichkeit, Ruhe, Gemütlichkeit. Entspannung. Weihnachten ist für mich ein Fest der Familie.

Wie werden Sie die Festtage verbringen?

fahlbusch: Im Kreis meiner Familie – mit meinen beiden Kindern und den Enkeln – wahrscheinlich im Norden von Deutschland.

Was nervt Sie in der Weihnachtszeit?

fahlbusch: Die überfüllten Geschäfte. Menschenmassen beim Einkaufen, als gäbe es bald nichts mehr. Und dass alles so hektisch ist.

Welche Werte sind Ihnen besonders wichtig?

fahlbusch: Fairness, Ehrlichkeit, Offenheit, Freundschaft, Hoffnung.

Wie schaffen Sie es, dass Ihr kleiner Verein neben den großen Organisationen, wie Caritas und Rotes Kreuz, bestehen kann – und das ohne Subventionen von Land und Bund?

fahlbusch: Vindex existiert mit hohem ehrenamtlichem Engagement, mit Spenden privater Personen und Benefizaktionen. Unterstützung erhalten wir auch von anderen Einrichtungen, zum Beispiel Kultureinrichtungen. Wir haben allerdings ein finanzielles Problem, wenn uns langfristig nur die Zivilgesellschaft unterstützt. Offensichtlich ist Bedarf an einer Organisation wie Vindex seitens Asylsuchender als auch anerkannter Konventionsflüchtlinge vorhanden. Diese können über uns Angebote wahrnehmen, die in dieser Form von größeren Einrichtungen nicht zur Verfügung gestellt werden. Zwei Beispiele sind die Jugendinitiative „vindex new generation“ – Schüler geben Flüchtlingskindern und Migrantenkindern Nachhilfe – und unsere Kooperation mit dem von Thomas Schmidinger gegründeten „Netzwerk Sozialer Zusammenhalt – Prävention Deradikalisierung und Demokratie“. Zudem ist Vindex-Obmann Peter Mennel Mitbegründer der Vorarlberger Plattform für Menschenrechte.

Was halten Sie von der österreichischen Flüchtlingspolitik?

fahlbusch: Ich finde es traurig, dass hier Menschen, die Flüchtlingen helfen, zu Kriminellen gemacht werden. Traurig finde ich es auch, dass ein reiches Land wie Vorarlberg die Asylquote von 100 Prozent nach wie vor nicht erfüllt, und dass das humanitäre Bleiberecht auf Landesebene nicht mehr möglich ist. Auch dass das Land bis heute keine therapeutische Einrichtung geschaffen hat, die sich spezifisch mit kriegstraumatisierten Menschen befasst und ein entsprechendes therapeutisches Angebot bereitstellt.

Was müssten die zuständigen Politiker anders machen?

FAHLBUSCH: Sie müssten nicht nur die Asylquote vor Augen haben, sondern sich mit den Flüchtlingen, den Menschen mit traumatischen Erlebnissen, beschäftigen.

Wenn Sie morgen eine Million Euro auf dem Konto hätten – was würden Sie damit tun?

fahlbusch: Ich würde ein Eine-Welt-Haus bauen, in dem sich alle in Vorarlberg lebenden Nationen und Kulturen begegnen und austauschen können. Dann würde ich unser Beratungsangebot erweitern und eine Traumatherapie anbieten.

Ihr Weihnachtswunsch?

fahlbusch: Ich wünsche mir, jemanden zu finden, der uns ein Haus oder größere Räumlichkeiten für Beratungen zur Verfügung stellt.

Vindex – Schutz und Asyl

Der im April 2013 gegründete Verein „Vindex – Schutz und Asyl“ ist ein interkultureller Zusammenschluss von Konventionsflüchtlingen, Asylsuchenden und Einheimischen. Vindex berät und begleitet Menschen, die in Österreich um Schutz bitten, und kämpft für die Wahrung der Menschenrechte.

» Anzahl der Mitglieder: ca. 20 aktive
» Spendenkonto: Raiffeisenbank Leiblachtal (BLZ 37439)
Kontonummer: 3.827.284
IBAN: AT8637 4390 0003 827284 / BIC: RVVGAT2B439

» Info: www.vindex.or.at

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