201. Brief über den Umgang mit kranken Menschen

An Sie alle,

dies ist mein 201. Brief an Sie!

Sie sind im Wahlkampf und denken natürlich nicht daran, was hier zu Lande einem Menschen in Not passiert. Eben deshalb will ich Ihnen beschreiben, wie es ist, in Österreich zu stranden – denn das erzählt Ihnen vermutlich nie jemand.
Gestern Nacht in der Notaufnahme des AKH:
Ein 17jähriges Mädchen mit heftigen Schmerzen wird samt Mutter von der Rettung gebracht.
Die beiden stammen aus Tschetschenien, sind gerade angekommen und waren auf dem Weg nach Traiskirchen! Vermutlich, um dort ihren Asylantrag zu stellen.
Das Mädchen ist offensichtlich schwer krank, später wird klar, dass es an einer schweren Nierenkrankheit leidet, was auch der zugezogene Arzt bestätigt.
Die beiden können nicht Deutsch, sind panisch und desorientiert.
Das Spital verständigt die Polizei!
(1. Zwischenbemerkung: warum holt man die Polizei, wenn ein Mensch Hilfe braucht? Selbst wenn er kein Geld und keine Krankenversicherung hat?)
Die Polizei kommt – durchsucht die Handtasche der Mutter! nimmt diese fest und bringt sie in ein Anahaltezentrum.
Das Mädchen, das sich vor Schmerzen krümmt, bleibt zurück – und wird von 2 – in Worten zwei! – Polizisten bewacht.
(2. Zwischenbemerkung – wer hat befohlen, Menschen in Not wie Verbrecher zu behandeln?)
Im Raum steht die klare Drohung, die beiden so schnell wie möglich abzuschieben.

Ich weiss nicht, warum sie aus Tschetschenien geflohen sind, habe aber eine gewisse Vorstellung von den Gründen. In Tschetschenien ist jeder in Lebensgefahr, der auch nur entfernt mit Kritikern des Regimes in Verbindung gebracht werden kann. Das sollte Ihnen inzwischen ausreichend bekannt sein.
Was ich weiß ist, dass hier ein schwerkranker Mensch wie ein Verbrecher behandelt wird.
Das ist die Folge Ihrer unmenschlichen Politik!

Ändern Sie das unmenschliche, menschenverachtende, unwürdige und lebensbedrohende Fremden- und Asylgesetz – sofort!

Dr. Susanne Scholl

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