Ein gutes Jahr Vindex – VN am 07.06.2014

„Vindex ist keine Konkurrenz“

von heidi rinke-jarosch
VN-Gast Eva Fahlbusch - GF des Vereins Vindex - Schutz und Asyl
VN-Gast Eva Fahlbusch – GF des Vereins Vindex – Schutz und Asyl

Auslöser, den Verein zu gründen, war die unmenschliche Abschiebepraxis in Österreich.

SCHWARZACH. Die im April 2013 als Verein gegründete Hilfsorganisation „Vindex – Schutz und Asyl“ ist eine Anlaufstelle für Menschen, die Unterstützung brauchen, insbesondere in Asylfragen. „Uns geht es darum, mehr Verständnis für jene Menschen aufzubringen, die hier Schutz suchen. Egal woher sie kommen“, erklärt die Initiatorin und Geschäftsführerin Eva Fahlbusch.

Diese Torturen sind intensiv und dauern wahnsinnig lang.

Eva Fahlbusch

Was hat Sie dazu bewegt, Vindex zu gründen?

FAHLBUSCH: Auslöser war, wie der tschetschenische Flüchtling Danial M. zum kriminellen Asylanten gemacht und abgeschoben wurde. Dadurch ist einer hochschwangeren Frau, die hier Asylstatus hat, der Mann und Vater ihrer Kinder entrissen worden. Betroffen machte mich auch die Feindschaft und das Misstrauen gegenüber tschetschenischen Asylwerbern und Konventionsflüchtlingen. Um die Traumatisierungen, die diese Menschen aufgrund der Kriege in ihrem Herkunftsland mitbringen, kümmerte man sich nicht. Wir wollen, dass das öffentliche Bild von diesen Menschen zurechtgerückt wird und Vorurteile abgebaut werden.

Wie finanziert sich Vindex?

FAHLBUSCH: Reinweg durch Spenden.

Wie hat sich der Verein seit der Gründung entwickelt?

FAHLBUSCH: Langsam und beständig. Inzwischen haben wir 25 Mitglieder. Unter ihnen Tschetschenen, Pakistani, Afghanen und Österreicher. Obmann ist der Gymnasiallehrer Peter Mennel, Obmann-Stellvertreter Aslan Murtazaliev. Er ist seit 2004 hier, seit 2011 österreichischer Staatsbürger und von Anfang an dabei.

Wie wurde die Hilfsorganisation in Vorarlberg angenommen?

FAHLBUSCH: Sehr unterschiedlich. Unterstützt hat uns eine Veranstaltung im Theater Kosmos im Mai letzten Jahres. Daraufhin haben sich gleich viele Interessierte bei uns gemeldet und gefragt, was sie tun, wie sie mithelfen können. Aber auch Einheimische, die sich privat um vor der Abschiebung stehende Flüchtlinge gekümmert haben, baten uns, ihnen zu helfen, dass „ihre“ Flüchtlinge bleiben dürfen.

Mit welchen Problemen wurde Vindex bisher konfrontiert?

FAHLBUSCH: Da kam zum Beispiel die Frage auf, wofür es unseren Verein hier braucht, obwohl es mit der Caritas eine große Institution gibt, die den Asyl-Bereich abdeckt. Das hat große Irritationen verursacht und zu Missverständnissen geführt.

Welche Art von Missverständnissen?

FAHLBUSCH: Seitens der Caritas sah man uns als Konkurrenz, weil sie nicht mehr das Monopol für Flüchtlingshilfe hat. Ich betone einmal mehr: Wir sind keine Konkurrenz. Im Gegenteil. Je mehr Menschen sich für das gleiche Ziel einsetzen – beispielsweise für Asyl suchende Menschen – und je mehr wir sind, die gemeinsam dafür arbeiten, umso eher und besser kann geholfen werden. Gerade in diesem Bereich gibt es mehr als genug Arbeit.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem neuen Amt für Fremdenwesen und Asyl?

FAHLBUSCH: Wenn Flüchtlinge uns bevollmächtigen, sie im Asylverfahren zu unterstützen, kommen wir als rechtsbegleitende Person zu den sogenannten Interviews mit, die entscheidend für den Aufenthaltsstatus sind.

Wie werden solche sogenannte Interviews geführt?

FAHLBUSCH: Das sind eigentlich Einvernahmen, bei denen die Flüchtlinge um ihr Leben betteln und sich sinnbildlich nackt ausziehen. Diese Torturen sind intensiv und dauern oft wahnsinnig lang. Die letzte der etwa zehn, bei denen ich selber dabei war, hat sich acht Stunden hingezogen. Da kapitulierte die Dolmetscherin und sagte, sie könne nicht mehr übersetzen. Bei diesen Einvernahmen wird nicht im Zweifel für den Angeklagten geurteilt. Es wird eher angenommen, dass der Flüchtling nicht die Wahrheit sagt. Als begleitende Person darf man aber nicht allzu viel sagen. Man kann dazwischenfahren, wenn der Tonfall es verlangt.

Welchen Schwerpunkt setzte Vindex in seinem ersten Jahr?

FAHLBUSCH: Der Kampf um den humanitären Aufenthaltstitel. Dieser wurde 15 von uns betreuten Menschen zuerkannt.

Worauf konzentriert sich die Organisation heuer?

FAHLBUSCH: Wir begleiten Flüchtlinge weiterhin im Asylverfahren. Wir helfen ihnen bei der Trauma-Verarbeitung. Dann planen wir, den Vindex-Freundschaftsklub zu erweitern. Das ist ein wöchentlicher Treffpunkt in Schwarzach für einheimische Kinder und Flüchtlingskinder. Ausgebaut wird auch unsere Nachhilfegruppe: Konventionsflüchtlingskinder, die hier seit Jahren zur Schule gehen, helfen Kindern, die Nachhilfe brauchen. Außerdem suchen wir dringend Räumlichkeiten, in denen wir unsere Projekte, unter anderem auch die Beratungsstelle, unterbringen können. Idealerweise im Raum Bregenz.

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