Die Angstmache der FPÖ – Leserbrief

Die Angstmache der FPÖ
Manfred Haimbuchner, oberösterreichischer FPÖ-Landesrat, fragte in der Sendung „Im Zentrum“ zur Asylthematik, wo denn die Nachbarn der Afrikaner oder Afghanen seien, um Nachbarschaftshilfe zu leisten? Hier die Antwort: Ein Drittel der Flüchtlinge flieht innerhalb ihres eigenen Landes. Neun von zehn Flüchtlingen leben in Entwicklungsländern, da die meisten Flüchtlinge in ein angrenzendes Nachbarland fliehen. In Syrien selbst suchten 7,6 Millionen Schutz, Die überwiegende Mehrzahl der 3,9 Millionen Menschen, die aus Syrien flohen, fand in Nachbarländern Zuflucht. Im Libanon, etwa so groß wie Oberösterreich, fanden 1,2 Millionen Flüchtlinge eine Bleibe, in der Türkei 1,6 Millionen. Zudem behauptete Herr Haimbuchner: „75% der Menschen, die zu uns kommen, sind reine Wirtschaftsflüchtlinge.“ Von 3600 Asylantragstellern im April stammen 3175 (über 80%) aus Kriegsgebieten. Herr Dr. Haimbuchners Ignoranz und Unkenntnis ist wirklich beeindruckend.
Es wird von 70.000 erwarteten Flüchtlingen in Österreich im Jahr 2015 gesprochen. Das erzeugt Angst. Auf die Bevölkerung umgerechnet, sind das in Vorarlberg 8 Flüchtlinge pro 1000 Einwohner, die betreut und integriert werden müssten. Ich bin überzeugt, dass die meisten von uns zu dieser Zahl sagen: Ja, das schaffen wir“. Und wenn sie die Menschen hinter den Zahlen kennenlernen, dann sagen sie auch „Ja, das wollen wir auch gerne leisten.“ Man kann mit Zahlen Angst und Abwehr erzeugen oder Zuversicht und Offenheit, je nachdem wie man sie präsentiert.

Peter Mennel
Verein Vindex – Schutz und Asyl
Römerstrasse 12
Bregenz

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2 Gedanken zu „Die Angstmache der FPÖ – Leserbrief“

  1. Sie kritisieren Aussagen von Herrn Haimbuchner, doch gehen sie nicht auf seine Aussagen ein. Mich würde interessieren wieviel Prozent der Asylantragsteller wirklich Asyl benötigen und nicht nur Wirtschaftsflüchtlinge sind. Können Sie mir die Frage beantworten? Sie helfen Menschen deren Anträge abgewiesen worden sind. Das heißt sie unterstützen auch Menschen die lediglich aus wirtschaftlichen Gründen geflüchtet sind?

    1. Sehr geehrter Herr Chris,
      wenn Sie sich mit dem Thema beschäftigen, werden Sie wissen, dass die derzeitig ankommenden Flüchtlinge zum weitaus allergrößten Teil (also mehr als 90%) aus Kriegsgebieten und massiven Terrorgebieten kommen. Also aus Syrien, Irak, Somalia, Kongo, Russische Konföderation, Pakistan, Afghanistan.Wenn Sie diese Länder googeln und entsprechende Berichte lesen, die dazu zu finden sind, werden Sie verstehen können, warum diese Zivilisten ihr Leben zu retten versuchen.
      Die Bezeichnung Wirtschaftsflüchtling lässt sich auf zweierlei Ebenen verstehen und nachvollziehen. Die eine ist menschlich: Bevor „meine Kinder oder ich“ verhungern oder an Krankheiten sterben, die nicht behandelt werden können, weil entweder keine Medizin oder das Geld nicht vorhanden sind, würde auch ich -und ich nehme an, Sie ebenso- ebenfalls nach einer Möglichkeit suchen, meine Kinder oder mein eigenes Leben zu retten. Die andere ist tatsächlich wirtschaftlich bedingt, nämlich in der Form, dass wir -also die westlichen Wirtschaftsnationen- auf dem Rücken der 3. Welt unseren Profit machen. Das erkennen wir in ganz alltäglichen Dingen, wie z. B. bei H&M, NKD und anderen Bekleidungsgeschäften, bei den Lebensmitteln bei Südfrüchten, Reis, Fisch, und und, die bei uns nicht wachsen, an den Autopreisen, die mit unseren Lohnkosten niemals so hergestellt werden könnten, etc. All diese und viele, viele weitere Produkte werden zu Billigstlöhnen in diesen Ländern produziert unter unsäglichen Arbeitsbedingungen, die zuguterletzt dennoch kaum Überlebenschancen lassen. Das bedeutet in Kürze zusammen gefasst: Wir produzieren Wirtschaftsflüchtlinge.
      Ergänzend vielleicht noch zu sagen, wie viele Menschen in der Vergangenheit aus blanker Not und Existenzangst von Europa nach Amerika, Australien, nach Polen, nach Ungarn, nach…. geflüchtet sind -nur damals hieß es auswandern.

      Zu Ihrer Frage, wen wir unterstützen: Ja, wir unterstützen jeden Menschen, der aus Not seine Heimat verlassen musste. Jeder Mensch ist ein Mensch, jeder ist gleich viel wert, jeder hat gleich viel Hoffnung und Wunsch auf Leben in Sicherheit, Würde und Respekt.

      Daher ist die Frage nach „Prozent-Mensch“ irrelevant.
      Viel wichtiger und „schuldig“ an dem ganzen derzeitigen Drama ist die große Politik der Wirtschaftsnationen. Auf die haben wir leider nur sehr wenig Einfluss, solange unsere heimischen Politiker willfährig einem Obama oder Putin zu Diensten sind, auch aus Profit- oder vermeintlichen Sicherheitsgründen.

      Sie können vieles im Internet nachlesen, wie es auf der Welt zugeht, Sie können die große Politik beobachten, Sie können Diktatoren in ihren Handlungen studieren, Sie können Berichte von Amnesty oder der Gesellschaft für bedrohte Völker lesen, Sie können sich nach dem Studium der vielen Berichte von Verbrechen gegen Zivilisten selbst ein Bild machen….und vielleicht werden Sie etwas weniger mißtrauisch und etwas mehr mitfühlend.

      Österreich wird nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, aber es wollen auch garnicht alle Flüchtlinge nach Österreich. Sie möchten einfach nur das, was Sie und ich auch möchten: Leben!

      Mit freundlichen Grüßen
      Eva Fahlbusch
      Vindex – Schutz und Asyl

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