Der beschämende Umgang mit Asylsuchenden

Leserbrief in der VN am 23.04.2013

Der Libanon (so groß wie Oberösterreich, 4,2 Millionen Einwohner) hat über 300.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Würde sich Österreich ähnlich verhalten, könnten 600.000 Flüchtlinge in unserem Land Schutz finden. Während von 1945 bis in die 90er Jahre immer wieder großzügig Flüchtlinge aufgenommen wurden, wird Österreichs Umgang mit Asylsuchenden in den letzten Jahren immer skandalöser.

Wir hatten Glück, in ein wunderschönes und reiches Land hineingeboren worden zu sein, während andere das Pech hatten, in Diktatur, Bürgerkrieg und (von reichen Ländern mit verursachter) Armut aufzuwachsen. Ich schäme mich für Österreichs Anteil von 0,3% für Entwicklungszusammenarbeit.

Ich schäme mich dafür, dass Menschen, die an Leib und Leben bedroht sind, in einer von Vorurteilen, Angst und Egoismus geprägten Asylpolitik keine Chance bekommen, ein Leben in Frieden bei uns zu finden. Ich schäme mich dafür, dass der aufgrund seines christlichen Glaubens verfolgte und bei uns Schutz suchende Nigerianer Michael Ezenna wie ein Krimineller im Morgengrauen in Handschellen abgeführt wird. Was bringt Polizisten dazu, ihm nicht einmal mehr zu erlauben, seine Hose und Schuhe anzuziehen und sich von seinem Sohn und seiner Frau zu verabschieden?

Flüchtlinge und Asylsuchende wollen wie wir alle ein Leben in Sicherheit und Frieden – ein menschliches Bedürfnis und Menschenrecht.

Peter Mennel

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