Alle Beiträge von Eva Fahlbusch

Kulturhaus „Villa Vindex“

Die Villa Vindex ist ein kleines Kulturhaus im Herzen von Bregenz/Vorarlberg für Menschen mit und ohne Fluchthintergrund. Ziel ist es, Menschen einander näher zu bringen, sich auf Augenhöhe zu begegnen und sich kennen zu lernen. Indem geflüchtete Menschen als Gastgeber fungieren und gemeinsam mit und für Menschen da sind, die hier geboren sind, soll ermöglicht werden, Unsicherheiten oder Fremdsein abzubauen und neue Bekanntschaften und Freundschaften aufzubauen.

Derzeit gibt es drei Aktivitäten:

“Dary Moden” – die Nähwerkstatt:
Aufgebaut von tschetschenischen Frauen, die entweder selbst Schneiderinnen sind oder in Nähkursen erlernt haben, kleinere und größere Produkte aber auch Maßmode herzustellen. Mit Unterstützung der Volkshilfe wurde eine Schneiderin gefunden, die gemeinsam mit den Frauen ein super Projekt auf die Beine gestellt hat. Inzwischen haben über 30 Frauen aus den verschiedensten Ländern das Nähen erlernt. Ein Blick in die Werkstatt von “Dary (tschetschenisch: Seide) Mode” lohnt sich immer…und vielleicht ist ja auch das ein oder andere Produkt für Sie dabei.

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag von 13 – 17 Uhr

“Cafe Morano” – das (Spenden)Café:
Mahmood aus Irak ist inzwischen der Allrounder bei Vindex.
Er dolmetscht auf Arabisch und Kurdisch, er repariert kleinere und größere Dinge, hat die Theke vom Café selbst gebaut und kocht leidenschaftlich gern Kaffee.
Im Irak hatte er ein florierendes Café namens Morano.
In der Villa Vindex kann er nun ein interkulturelles Café aufbauen, in dem sich Menschen aus aller Welt begegnen können.
Üblicherweise trifft man sich im Irak zu Chai und Spielen. Daher können Sie neben typisch irakischen Chai mit Kardamom, italienischem Cappuccino, heimischen Säften oder kaltem Bier…. Domino, Schach, Backgammon oder Karten spielen.
Für die Fußball-Fans gibt`s mit Beginn der WM Großleinwand und guten Sound
In unregelmäßigen Abständen wird es Live-Musik geben

Wer sich engagieren will mit weiteren Ideen, kleinen Kuchen oder Snacks ist herzlich eingeladen

Öffnungszeiten: Freitag – Sonntag von 14 – 22 Uhr

Malwerkstatt:
Diana, eine tschetschenische Künstlerin (Malerin und Fotografin) bietet derzeit Kinder-Malkurse an. Es entstehen wunderbare Bilder und Geschichten von Kindern, die gemeinsam mit ihren Eltern die Heimat verlassen mussten.

Wer Interesse hat, ebenso künstlerisch tätig zu werden bzw. weitere kreative Angebote für Kinder machen möchte, ist herzlich eingeladen sich zu melden.

Villa Vindex Kaiser-Josef-Straße 3

Nähere Informationen auch in der Beratungsstelle Vindex – Schutz und Asyl, Römerstr. 12, 6900 Bregenz

https://www.facebook.com/VindexSchutzUndAsyl/

 

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Vindex feiert Geburtstag

Alle FreundInnen, UnterstützerInnen und Interessierte sind herzlich dazu eingeladen, mit uns zu feiern, tanzen, lachen und genießen.

Wir freuen uns auf euch!

 

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Vindex goes Culture – Raum für Kultur und Begegnungen

Vindex erfreut sich seit November über neue Räumlichkeiten in der Kaiser-Josef-Straße 3. Die Nähwerkstatt floriert bereits, es werden Nähkurse abgehalten und täglich kommen Menschen, die sich für die Produkte interessieren.

Nachdem inzwischen fast alle Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind, möchten wir den Gästen einen interkulturellen Treffpunkt bieten, an dem Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Nationen stattfinden. Man trifft sich zum Beispiel zum Kaffeetrinken oder zu gemeinsamen Spielenachmittagen, jeder ist dazu herzlich willkommen.

Ebenso freuen wir uns über unsere neueingerichtete Malwerkstatt. Diana Khasuyeva, eine junge tschetschenische Künstlerin, Absolventin der Kunstschule Lichtenstein, bietet bereits Kurse an. Sollten Sie ebenfalls Interesse haben, nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Link zum Artikel:

https://www.vn.at/lokal/vorarlberg/2018/02/25/neuer-ort-der-begegnung-in-bregenz-geschaffen.vn

 

 

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Human Vision Film Festival

Hiermit möchten wir auf das Vorarlberger Human Vision Filmfestival im Spielboden Dornbirn unter dem Motto „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ hinweisen.

Wir freuen uns ganz besonders, dass Vindex gemeinsam in Kooperation mit This Human World Vienna am

Freitag, 9. März um 18 Uhr

den Dokumentarfilm Sand and Blood 

präsentieren darf.

Ebenso sind wir stolz, dass drei von Vindex eingereichte Kurzfilme im Verlauf des gesamten Festivals im Foyer des Spielbodens zu sehen sein werden.

Sie wurden von Flüchtlingen gedreht, die zum Teil heute noch in Asylverfahren sind und uns ihren ganz persönlichen Blick auf die Situation ihrer Heimatländer zeigen.

Zu sehen sind:

Die Narben des Krieges von Diana Khasuyeva (Tschetschenien)

Ohne Visum von Nori Dheer (Syrien)

Search for a Life von Ahmed Al-Kaabi (Irak)

 

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Brauchen Tschetschenen immer noch Asyl? Warum sind die eigentlich immer noch hier?

Hiermit laden wir Sie herzlich zu einem spannenden und informativen Abend ein, um mehr über die Fluchthintergründe von TschetschenInnen zu erfahren.

 

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Rede zur Deportation am 23. Februar 1944 in Tschetschenien

Zuerst einmal möchte ich mich bedanken für die Einladung, dass ich heute auf diesem erstmalig in Vorarlberg stattfindenden Gedenktag der Tschetscheninnen und Tschetschenen als Auftakt und zur Begrüßung sprechen darf.

Ich möchte mich auch bedanken, dass in einem -man darf fast sagen- gemeinsamen Kraftakt der hier lebenden Tschetscheninnen und Tschetschenen nun doch dieser Gedenktag zustande gekommen ist.

Denn zelebriert und gedacht wird jedes Jahr. Nur eben bisher in Brüssel vor dem Menschengerichtshof oder -so wie gestern- in den Niederlanden vor dem internationalen Strafgerichtshof.
Tschetschenen kämpfen seit jeher um Gerechtigkeit. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als dass die Wunden, die ihnen immer wieder zugefügt wurden und werden, anerkannt werden und dass die Täter (sei es durch die Geschehnisse der Deportation oder auch der Gräueltaten der Kriege der jüngeren Vergangenheit- einer Verurteilung zugeführt werden. Und wenn das schon nicht, dass ihnen zumindest eine Anerkennung widerfährt, der ihrem Schmerz und ihrer auch seelischen Verwundung gerecht wird.

Es ist also ein besonderer Tag, den wir hier heute gemeinsam in Bregenz begehen.
Denn er ermöglicht uns allen, etwas mehr über die Tragödie, die am 23. Februar 1944 in Tschetschenien und Ingushetien stattgefunden hat, zu erfahren und auch festzustellen, dass dieser Tag auch etwas mit uns und unserer Geschichte zu tun hat.
Dass Tschetscheninnen und Tschetschenen, denen wir hier begegnen, nicht erst als Flüchtlinge zu uns gekommen sind und wir sie daher kennen, sondern bereits im 2. Weltkrieg gemeinsame Verflechtungen begonnen haben, die uns miteinander verbinden.

Am 23. Februar 1944 begann die Deportation der gesamten tschetschenischen und inguschischen Bevölkerung nach Zentralasien, die Stalin am 31. Jänner 1944 angeordnet hatte. Die Aktion wurde generalstabsmäßig geplant.

Nach den Vorbereitungsmaßnahmen wurden 459 486 zu deportierende Personen erfasst und um 2.00 morgens sämtliche Dörfer und Städte, die von Tschetschenen und Inguschen bewohnt wurden, umzingelt. Um 5.00 morgens wurde den Männern der Deportationsbefehl auf Versammlungen mitgeteilt und diese zugleich entwaffnet. Wer einen Fluchtversuch unternahm, wurde sofort ohne Warnung erschossen. Im Ort Chajbach wurde die Bevölkerung in eine Scheune getrieben und bei lebendigem Leib verbrannt. Insgesamt wurden zwischen dem 23. und 29. Februar über 470.000 Tschetschenen und Inguschen in Viehwagonen in die zentralasiatische Steppe transportiert, mehr als 1300 Menschen starben auf dem Transport.

Zwischen 1944 und 1953 starben über 73.000 Tschetschenen und Inguschen durch Krankheiten und Hunger, die meisten davon noch in den ersten Monaten. Damit kam fast ein Fünftel der tschetschenischen und inguschischen Bevölkerung durch die Folgen der stalinistischen Deportation ums Leben. Nicht nur das Ausmaß des Sterbens, sondern auch seine Systematik sprechen dafür, dieses Verbrechen als Genozid zu bezeichnen.

Am 29. Februar meldete der sowjetische Volkskommissar Lawrenti Berija den Vollzug der Aktion an Stalin. Außer einigen wenigen Gruppen, die sich rechtzeitig in die im Februar bitterkalten und verschneiten Kaukasischen Berge geflüchtet hatten, war damit die gesamte tschetschenische und inguschische Bevölkerung innerhalb weniger Tage aus ihrer Heimat deportiert worden.

Innerhalb der Sowjetunion wurde die Deportation geheim gehalten. Zurückkehrende Soldaten der Roten Armee fanden 1945 oft erst vor Ort ihre Dörfer geleert vor und mussten erst mühsam herausfinden was mit ihren Familien geschehen war. Schließlich hatten tausende Tschetschenen und Inguschen in den Reihen der Roten Armee für Stalin gegen das Deutsche Reich gekämpft und damit einen wesentlichen Beitrag zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus geleistet.

Für Stalin zählte dieser Beitrag der nordkaukasischen Bevölkerung zum Kampf gegen den Faschismus jedoch nicht. Als Begründung für die Deportation wurde angegeben, dass sich die Tschetschenen und Inguschen „antisowjetisch“ verhalten hätten.
Der Vorwurf der Kollaboration mit den Deutschen – und damit auch mit den Österreichern, die unter deutscher Flagge für das nationalsozialistische Deutsche Reich gekämpft hatten, verbindet das Schicksal der Tschetschenen und Inguschen mit der österreichischen Geschichte.

Erst der Angriffskrieg, den unsere Vorfahren gegen die Sowjetunion geführt hatte, machte den bewaffneten Widerstand einiger tschetschenischer und inguschischer Gruppen zur Kollaboration mit dem Faschismus und lieferte damit Stalin den Vorwand für die Deportation der gesamten Bevölkerung.

Die Geschichte der Deportation, der wir heute gedenken, hat also auch mit der österreichischen und deutschen Geschichte zu tun.

Erst 1957 unterzeichnete Chruschtschow den Erlass „Über die Wiedereingliederung der Tschetscheno-Inguschischen Bevölkerung“, nach dem die Tschetschenen wieder in ihre Heimat zurückkehren durften.

Zwischen 1957 und 1959 kehrten etwa 200 000 Überlebende nach Tschetschenien zurück und fanden ihre verlassenen Häuser besetzt vor. Nicht erstaunlich, dass diese Situation zu Konflikten mit den oft unfreiwilligen «Besatzern» führte, von denen viele aus anderen Gebieten der Sowjetunion selber nach Tschetschenien umgesiedelt waren.

Mit der Deportation legte Stalin eine soziale und ethnische Zeitbombe.

Ein in der tschetschenischen Hauptstadt Grozny errichteter Gedenkort, der mit geschändeten Grabsteinen gestaltet worden war, wurde vom prorussischen tschetschenischen Regime vernichtet.

Auch jetzt soll wieder eines der größten Verbrechen begangen an der Bevölkerung Tschetscheniens verschwiegen werden.

Gedenken wir also heute gemeinsam mit den Nachkommen der Opfer der Deportation und geben den Verstorbenen wenigstens hier ein wenig ihrer verlorenen Würde zurück.

Eva Fahlbusch, Vindex – Schutz und Asyl

 

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Offener Brief der Tschetscheninnen und Tschetschenen Vorarlbergs

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Van der Bellen,
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz,
Sehr geehrter Herr Innenminister Kickl,
Sehr geehrte Regierungsverantwortliche,
Sehr geehrte Medien,

wir schreiben diesen Brief an Sie, weil wir mit großem Erschrecken miterleben mussten, dass am Dienstag, den 23. Januar insgesamt 31 Menschen aus der Russ. Föderation, darunter der Großteil Angehörige unseres Volkes, aus Österreich abgeschoben wurden. Wir schreiben diesen Brief aber auch, um zu der Sendung „Tschetschenen und Gewalt in Österreich – die große Diskussion“ auf Ö24.tv am 25. Januar Stellung zu beziehen.

Wir kennen natürlich nicht die Asylverfahren der betroffenen Personen. Wir wissen nur, so wie es vor allem nun von befreundeten ÖsterreicherInnen verbreitet wurde, dass die Familien und Einzelpersonen seit Jahren in Österreich waren, dass sie gut integriert waren, dass ihre Kinder fließend Deutsch gesprochen haben und zum Teil in Österreich geboren wurden und das Land, in das sie jetzt abgeschoben wurden, gar nicht kennen.

Wer sich auch nur ansatzweise mit der Politik des Landes aus dem wir geflohen sind beschäftigt, wer sich in seriösen Medien weltweit informiert -und das sollte man von Ihnen als politische Verantwortliche und Medienvertreter/-innen erwarten dürfen- weiß, welch geschundenes Volk wir sind, zu welchen Zwecken wir benutzt und missbraucht werden und welche Unwahrheiten über uns verbreitet werden!

Welche psychologischen und auch sonstige Folgen eine Abschiebung für uns -als bereits Geflüchtete- bedeutet, kann in seiner Gänze nur dann erfasst werden, wenn man sich ernsthaft mit der Situation in Tschetschenien auseinandersetzt. Welche Folgen dies für unsere Kinder hat, die inzwischen die deutsche Sprache besser als ihre Muttersprache beherrschen, die hier die meisten Jahre ihres kleinen Lebens verbracht haben, Freunde haben und verwurzelt sind, ist kinderpsychologisch betrachtet, ein neuerliches Trauma!

Viele Erwachsene werden trotz ihrer Ausbildungen und Erfahrungen, keine Möglichkeit haben diese in der Heimat einzusetzen, da man dort als ein Verräter des Vaterlandes gilt. Es sind individuelle Geschichten, die jeden hierhergeführt haben, und diese dann alle mit demselben Grund zurück zuschicken ist nicht menschlich und wird viele Leben zerstören.

Solange die Regierung in Tschetschenien nicht wechselt, können wir nicht zurück. Solange Kadyrow an der Macht ist, führt er Krieg gegen sein eigenes Volk. Wir wissen natürlich, dass Österreich gute Beziehungen und Verbindungen zu Russland pflegt. Erfüllt aber bitte nicht den Wunsch Russlands, uns zu opfern, uns zurück zu schicken.

Es mag sein, dass die jetzt abgeschobenen Menschen in ihren Einvernahmen nicht überzeugend genug ihre Asylgründe geschildert haben und sie daher den Genfer Flüchtlingsschutz nicht bekommen konnten.

Österreich hätte ihnen aber das geben können, wonach sie gesucht haben:

Ein Leben in (weitgehender) Sicherheit, einen Aufenthaltstitel aus humanitären Gründen.

Es wird immer wieder und wieder verbreitet, wir seien ein gefährliches Volk von Kämpfern mit einem besonders hohen Hang zu Gewalt und Kriminalität. Wir würden uns weder in die österreichische Gesellschaft eingliedern wollen, noch hätten wir ein besonderes Interesse daran arbeiten zu wollen. Wir werden beschrieben als ein Volk, das seine Frauen schlägt und unterdrückt und wir werden als religiöse Extremisten dargestellt.

Es stimmt, es gibt solche Menschen unter uns. Von rund 30.000 Tschetschenen und Tschetscheninnen, die in Österreich leben, sind laut der österreichischen Kriminalitätsstatistik 2015 insgesamt 3.008 Menschen aus der Russ. Föderation straffällig geworden. Wie hoch dabei die Anzahl dabei der TschetschenInnen ist, ist nicht ablesbar, da sie „in den Topf Russland“ geworfen werden.

Am 12. Januar 2018 schreibt der „kurier“ in einer Vorabveröffentlichung der Rohdaten der Kriminalstatistik Österreich für 2017:
„2017 wurden 20.100 Asylwerber als Verdächtige einer Straftat geführt. 2016 waren es noch 22.288. Damit ist die Zahl der tatverdächtigen Asylwerber um knapp zehn Prozent gesunken.
Die Gesamtzahl aller 2017 ermittelten Tatverdächtigen ist mit 270.279 nahezu gleichgeblieben (2016: 270.159). 105.741 Tatverdächtige waren keine Österreicher (39,1 Prozent, wie auch 2016).“ 

Auf „news.at“ ist am 25.02.2017 zu lesen:

„Schätzungen des Innenministeriums legen nahe, dass sich etwa 30.000 Tschetschenen in Österreich aufhalten. In keinem anderen westeuropäischen Land leben mehr als hier. Exakte Zahlen kann auch die Statistik Austria nicht liefern. Tschetschenen werden nämlich als Staatsbürger der Russischen Föderation geführt, dazu zählen neben Russen auch andere kaukasische Bevölkerungsgruppen. Ein Gewaltproblem ist aus der Kriminalstatistik nicht abzulesen. Es kann auch hier nur vermutet werden. Im Jahr 2015 waren von knapp 93.000 ausländischen Tatverdächtigen 3.008 Angehörige der Russischen Föderation. „Ich kenne keine Studie, wonach Tschetschenen feindlicher wären als andere Völker, und ich bin erstaunt, wie schlecht ihr Ruf hier ist. Diese pauschale Hetze habe ich woanders nie erlebt“, sagt Maynat Kurbanova.
Die 42-jährige Journalistin gilt seit ihrer Berichterstattung während der TschetschenienKriege als verfolgt und lebt im Wiener Exil: „Es ist nicht angenehm, Tschetschenin in Österreich zu sein.“

Wir sind also nicht krimineller, nicht gefährlicher, sondern bilden in der Statistik das Schlusslicht. Durch falsche Darstellung in den Medien und vor allem durch Regierungsmitglieder werden diese Zahlen aber aus dem Kontext gerissen und in der Öffentlichkeit so dargestellt, als seien wir eben mit Abstand „die Gefährlichsten“. Allein der reißerische Titel der Ö24Sendung „Tschetschenen und Gewalt in Österreich – die große Diskussion“ setzt schon mit den Eingangsworten „Gewalteskalation“ in den Köpfen der Bürger fest, dass man vor uns Angst haben muss.

Eingereiht in Profis, die vermutlich seit Jahrzehnten gewohnt sind, in der Öffentlichkeit nicht nur zu sprechen, sondern auch „das Recht Österreichs“ für sich in Anspruch nehmen, setzt man ein Kind von uns, dass sich weder an sein Geburtsland erinnern kann, noch die Repressalien, die uns bei einer Abschiebung erwarten, nachvollziehen kann. Vor allem kann ein einzelner Jugendlicher wie Adam Edelmurzaev nicht als Repräsentant der Tschetscheninnen und Tschetschenen Österreichs sprechen: Dazu ist er zu jung, zu unerfahren.

Wir fordern Sie als Innenminister Österreichs auf, die abgeschobenen Familien wieder zurück zu holen und dafür Sorge zu tragen, dass weder den Familien noch ihren in Tschetschenien wohnenden Angehörigen etwas zustößt und die österreichische Öffentlichkeit darüber zu informieren, wie es den Familien geht.

Wir fordern Sie ebenso als Innenminister auf, dass Asylverfahren fair und gerecht ablaufen, dass Tschetscheninnen und Tschetschenen weiterhin unter Österreichs Schutz leben dürfen, und dass Sie ihnen humanitären Schutz bieten.

Die österr. Politik hat sich uns gegenüber verändert, unsere Probleme, die wir „in unserem Rucksack“ mit uns tragen, wurden die ganzen Jahre zu wenig berücksichtigt: Man hat uns zwar Asyl gegeben, aber man hat uns zu wenig geholfen, mit den Narben des Krieges fertig zu werden, wir haben noch immer tiefe Wunden, die wir verarbeiten müssen.

Gerade Kinder und Jugendliche und ihre Probleme brauchen noch mehr Unterstützung, als sie bisher bekommen haben. Damit wir wirklich gute Mitglieder der österreichischen Gesellschaft werden können, brauchen wir mehr adäquate Hilfe und nicht noch wieder neue Ängste!

Wir fordern Sie auf, uns nach der den Artikeln 2 (Recht auf Leben), 3 (Verbot der Folter), 5 (Recht auf Freiheit und Sicherheit), 6 (Recht auf ein faires Verfahren), 8 (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens), 9 (Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit) und 14 (Diskriminierungsverbot) der Menschenrechtserklärung zu achten und zu schützen.

Wir fordern die Medien auf, eine bessere, gerechtere und vor allem ehrliche Berichterstattung über unser Volk zu tätigen. Wir bitten darum, aufzuklären, was uns immer noch angetan wird. Wir bitten darum, auch über die positiven Integrationsbeispiele zu berichten. Wir bitten darum, dass Zahlen nicht exponiert herausgehoben werden, um falsche Meinungsbildung dadurch zu fördern und Angst vor uns zu schüren.

Wir bitten die Regierungsvertreter, uns zum Dialog einzuladen und uns bei unserem Bemühen, die Traumen des Krieges, die Beeinträchtigungen unserer verletzten Seelen, unsere Narben, zu heilen, zu unterstützen. Wir bitten darum, auch finanzielle Mittel bereit zu stellen, damit wir therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen können, wenn wir dies brauchen. Wir bitten die Regierung, mehr Aufklärung über unser Land, über die Gründe des Krieges, über die derzeitig dort herrschende Regierung und über uns als in Österreich lebende Bevölkerungsgruppe zu machen.

Wir bitten die österreichische Bevölkerung, uns als das zu nehmen, was wir sind: Menschen mit seelischen Narben aber auch mit dem Willen, uns mit diesen Narben in die Gesellschaft zu integrieren, uns konstruktiv und aktiv einzubringen, unseren Kindern eine gute Bildung und eine Zukunft in Frieden und Sicherheit zu ermöglichen, sie zu unterstützen.

Wir danken Österreich, dass es uns bisher Schutz geboten hat und wir bitten Österreich uns und unseren Kindern weiterhin die Hand zu reichen und uns bei unserem Bemühen, uns hier zu integrieren zu unterstützen.

Bregenz, den 04. Februar2018

Im Namen der Tschetscheninnen und Tschetschenen in Vorarlberg
verfasst durch:

„Tschetschenischer Kulturverein Bodensee“

ZVR-Zahl: 071514576

 

 

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Barkalla – Die TschetschenInnen in Vorarlberg sagen Danke

BARKALLA

Diese Fibel trägt den Namen Barkalla, das heißt tschetschenisch DANKE, gemeint ist damit „Danke für die Aufnahme in Vorarlberg“.
Mit diesem und geplanten Folge-Heftchen informieren wir über die tschetschenische Kultur, die in Vorarlberg lebenden TschetschenInnen, das Zusammenleben in Vorarlberg, den Alltag und die kreativen Projekte, Feste und Zusammenkünfte. Dabei muss vieles recherchiert und neu entdeckt werden. Jedes Heft soll ein Stück mehr Information bieten. Wissen bildet die Grundlage des Verstehens.
Das Projekt wurde initiiert vom Verein Aktion MitArbeit Vorarlberg, Land Vorarlberg und vom Verein Vindex – Schutz und Asyl unterstützt.

Hier können Sie den Link zu dem Heft herunterladen:

http://www.okay-line.at/file/656/barkalla-fitsch-foerderung-der-tschetscheninnen-in-vorarlberg.pdf

 

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Vindex wünscht allen Menschen Zeit für Frieden und Mitmenschlichkeit

Vindex geht nun in die Weihnachtspause und hat vom
22.12.2017 – 08.01.2018
geschlossen

Wir möchten uns bei all unseren UnterstützerInnen, all unseren HelferInnen und WohltäterInnen bedanken.
Wir haben ein volles, hartes, oftmals sehr trauriges Jahr hinter uns, aber wir haben auch viel Schönes erfahren, viel Herzlichkeit, viel menschliche Wärme und oftmals befreiendes Lachen mit Menschen aus aller Welt teilen können.

Viele Menschen haben unseren Rat und unsere Unterstützung gesucht, viele Menschen sind „einfach so“ auf einen Kaffee vorbei gekommen, viele sind gekommen, um ihren Dank auszudrücken.

Es zeigt, wie wichtig unser kleiner Ort der Menschlichkeit für viele ist.

Darüber freuen wir uns sehr, denn es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Gerne schenken wir unser Tun und unser offenes Haus auch im nächsten Jahr.

Ausklingen lassen wollen wir das Jahr 2017 und einstimmen auf 2018 mit einem Gedicht von Illes Gyula:

Wie wir

Joszip, ein serbischer Gefangener hier am Hof
Sein Mund öffnet sich uns nur verständlich,
wenn er isst

Er isst, wie auch wir essen
Er isst und lacht, weil er es auch so kann.
Wir sind gleich!

Als Menschen, die die Suppe essen.
Und wir essen mit ihm, das ist unsere Antwort.

Er freut sich, nickt, er isst und freut sich
Als ob er damit sein Leben beschreibe: Einer nur,
von den Vielen – auch wie wir.

Und das ist so schön

 

In diesem Sinne wünschen wir Frohe Weihnachten und einen guten Start ins Neue Jahr

 

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