Wir sagen DANKE

Wir haben unseren 3.  Geburtstag  unter dem Motto „Asyl ist Menschenrecht 2.0“ im Theater KOSMOS gefeiert.
Ein voller Erfolg!

Michael Genner (Asyl in Not), Thomas Schmidinger (Politologe und Nahostexperte) und Eva Fahlbusch (Begründerin von Vindex – Schutz und Asyl) standen dem Publikum für alle Fragen zur Verfügung.

Ein voll besetzter Saal, ein äußerst engagiertes Publikum beteiligte sich mit Fragen und anschließenden Gesprächen an der Diskussion zu Fragen rund um die Asylgesetzgebung, persönlichen Möglichkeiten bis hin zu zivilgesellschaftlichem Ungehorsam.
Es wurde deutlich, dass die Menschen die immer grausamer werdende österreichische Linie flüchtenden Menschen gegenüber nicht einfach schweigend hinnehmen wollen, sondern im Gegenteil nicht nur ihr Herz im persönlichen Kontakt mit Flüchtlingen geöffnet haben, sondern auch im größeren ein Stop dieser rigiden Asylpolitik setzen wollen.

„Werden wir 10.000, die hier auf die Straße gehen!“, so ein Ruf aus dem Publikum.

Hier die Eröffnungsrede von Peter Mennel (Obmann von Vindex):

«Jeder Mensch hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu geniessen.»

In diesem Satz des Artikels 14 ist das älteste Menschenrecht der Welt formuliert. Schon im Alten Testament bietet es als Recht und Pflicht der «Gastfreundschaft» den Wanderern Schutz und Überleben. In diesem Sinne ist es passend, wenn die Österreichische Bischofskonferenz bei ihrer Frühjahrstagung das Menschenrecht auf Asyl als ein „heiliges Recht“ einmahnt.

Warum führen wir zu unserem dritten Geburtstag eine Veranstaltung zum Thema «Asyl ist Menschenrecht» durch?

Einerseits, weil sich in den vergangenen Monaten zehntausende Menschen mit einem beeindruckenden Zeit- und Energieaufwand und mit viel Herz dafür eingesetzt haben, dass dieses Menschenrecht in Österreich lebendig blieb.

Andererseits, weil in den vergangenen Monaten von Teilen der Bevölkerung und von der Regierung dieses Menschenrecht auf Asylsuche in Frage gestellt und verwässert wurde, und weil für immer mehr Menschen der europäischen Bevölkerung ein wichtiges Wort in den Artikeln der Menschenrechtserklärung nicht wirklich gilt: das Wort JEDER.

Es heisst nämlich: JEDER Mensch hat Anspruch auf die Menschenrechte ohne irgendeinen

Unterschied nach nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Und: JEDER Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Viele Menschen haben in den vergangenen Monaten gezeigt, dass jeder Mensch gleich viel wert ist, und der Nächste derjenige Mensch ist, der in Not ist.

Es gibt aber auch viele Menschen, die unterscheiden: zwischen denen, die hier sind, und denen die hierher kommen wollen. Weil sie als diejenigen, die zuerst da waren, Angst haben, sich nicht verändern und ihren Wohlstand behalten wollen, sprechen sie denen, die kommen wollen, die grundlegenden Rechte nach Leben, Freiheit, Sicherheit, Arbeit, Wohnung usw. ab.

Mit Menschenrechten meinen sie Heimatrechte, und Liebe deinen Nächsten heißt hier: liebe die Einheimischen.

Das ist die alltägliche Menschenrechtsverwässerung und Arroganz:

diese Einteilung in verschiedene Menschenklassen, denen man die Grundrechte und Sozialleistungen abhängig von Herkunft und Verhalten zuspricht oder nicht.

Wir brauchen also Veranstaltungen zu diesem Thema, weil wir daran erinnern müssen, dass die Menschenrechte für ALLE gelten sollen, nicht nur für Auserwählte.

Wir brauchen solche Veranstaltungen auch für alle Menschen, die sich durch die alltägliche Rhetorik der Politiker nicht verunsichern und sich nicht Stück für Stück von ihrem Mitgefühl abschneiden lassen wollen. Je weiter nämlich die Flüchtlinge die Balkan- und andere Routen hinunter gedrängt werden, weg aus unserem Alltag, aus unseren Sinnen, aus den unmittelbaren Begegnungen, umso leichter lassen sich Mitgefühl, Betroffenheit und das schlechte Gewissen verdrängen und die sogenannte Vernunft und Rationalität zum Maß aller Dinge werden.

Von Viktor Frankl, dem KZ-Überlebenden und Begründer der Logotherapie, ist der Satz überliefert: „Das Herz ist weitsichtiger als der Verstand je scharfsinnig sein kann.»  Der Frankl-Schüler und Psychotherapeut Günther Funke weist dann noch darauf hin, dass Frankl diesen Satz folgendermaßen fortsetzte: «… und niemals dürfen wir die Scharfsinnigkeit des Verstandes einsetzen, um die Weitsichtigkeit des Herzens abzuschneiden und zu verletzen.“

Für Funke wird in der Flüchtlingskrise vor allem rational geantwortet. Flüchtlinge werden zu Zahlen.

Gewissensentscheidungen werden in der aktuellen Diskussion und politischen Rhetorik abgewertet und als naives Gutmenschentum deklariert. Es geht ja bitte um eine Politik der Vernunft!

Die Menschenrechte entstanden jedoch nicht aus Verstandeskalkül, sondern aus der «Empörung des Gewissens über die Barbarei», wie es in der Präambel heisst.

Gewissensentscheidungen haben aber immer auch Konsequenzen, die nicht nur angenehm sind, sondern auch Probleme schaffen und zu Veränderung herausfordern können.

Darum folgert Günter Funke lakonisch: «Wer seine Ruhe haben will, sollte nie sein Gewissen befragen.»

Veranstaltungen wie diese sind dazu da, unruhig und lebendig zu bleiben, unser Mitgefühl, unser Gewissen, die Weite des Herzens wachzuhalten gegenüber Argumenten, die Flüchtlinge nur als lästige, störende, bedrohende Masse oder als Wirtschafts- und Kostenfaktor sehen.

Logisch pragmatische Lösungen dürfen nicht unser Gewissen beruhigen.

Das Gewissen würdigt die einzelne Person und fordert immer wieder auf, uns auf die einzelne Person, ihre Situation und ihre Geschichte einzulassen.

Eine der Mütter der Menschenrechtserklärung von 1948, Misses Eleanor Roosevelt, fand auf die Frage „Wo beginnen die Menschenrechte?“ folgende Antwort: „An den kleinen Plätzen, nahe dem eigenen Heim. So nah und so klein, dass diese Plätze auf keiner Landkarte der Welt gefunden werden können. Und doch sind diese Plätze die Welt des Einzelnen: Die Nachbarschaft, …, die Schule oder die Universität,… , die Fabrik, der Bauernhof oder das Büro, … . Das sind die Plätze, wo jeder Mann, jede Frau und jedes Kind gleiche Rechte, gleiche Chancen und gleiche Würde ohne Diskriminierung sucht. Solange diese Rechte dort keine Geltung haben, sind sie auch woanders nicht von Bedeutung. Wenn die betroffenen Bürger nicht selbst aktiv werden, um diese Rechte in ihrem persönlichen Umfeld zu schützen, werden wir vergeblich nach Fortschritten in der weiteren Welt suchen.“

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Diese Veranstaltung soll all jene daran erinnern, die dies vergessen oder verdrängen wollen, und sie soll all jenen Mut machen und Kraft geben, die sich immer wieder aufs Neue für diese Würde zu einsetzen.

Zitate von Gästen nach der Veranstaltung:

„Alles in allem war es eine sehr gelungene Geburtstagsfeier. Dass dazu das Thema „Menschenrechte“ gewählt wurde, war eine sehr gute Entscheidung. Mich haben die Ausführungen jener, die am Podium waren, angesprochen, besonders von Michael Genner.“(Vorarlberger)

„Ich hätte nie gedacht, dass sich so viele Menschen für uns interessieren. Ich dachte, Österreich mag keine Flüchtlinge. Jetzt bin ich froh! Ein schöner Abend für mich“
(Tschetschenin)

„Für mich war die Veranstaltung sehr wertvoll!
Zum einen war es sehr berührend für mich, zu erleben, wie viele Menschen sich für die Flüchtlinge einsetzen und sich engagieren!
Die Informationen zu den vielen Fragen die Aufkommen waren auch sehr wichtig für mich!
Die Rede von Peter mit guten Texten hat mich auch sehr beeindruckt!
Ein sehr ermutigender Abend!
Ich wünsche euch weiterhin viel Kraft für euer wertvolles Engagement!“
Liebe Grüße!
(Vorarlbergerin)

„Dass so viele Menschen Flüchtlingen helfen wollen, ist schön! Ich habe nicht gedacht, dass so viele kommen und so gute Fragen stellen“
(Syrien)

„Veranstaltung hat für mich bei allem Stolz auf mit Vindex in 3 Jahren Erreichtes dank Experten u Praktikern klargemacht dass Kampf um und Zeiten für Menschenrechte u. Menschenwürde noch härter wird u. wir alle gefordert sind da mitzukämpfen.“
Wir wirklich so, vor allem durch Thomas Schmidinger.
(Vorarlberger)

„Es war schön! Ich habe mich sicher gefühlt. Nachts war ich dann traurig und musste an Zuhause denken. Aber dann habe ich mir gesagt, dass die Menschen hier in Österreich gute Menschen sind. Ich bin froh hier zu sein“
(Afghanistan)

„Schöner Abend, obwohl es angesichts des Baus der Festung Europa und der Versuche der österreichischen Bundesregierung, das Asylrecht auszuhebeln, nichts zu feiern gibt. Vindex ist wichtiger denn je.“
(Vorarlberger)

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